Franz Dinghofer

Richter und Politiker.

* 1873    † 1956

 

Jusstudium im Graz

Der aus Ottensheim stammende Franz Dinghofer ging in das Gymnasium Freistadt, wo er 1892 maturierte. Danach absolvierter er ein Jusstudium an der Universität Graz. 1892 wurde er Mitglied in der Burschenschaft Ostmark Graz. Er wurde 1897 zum Dr. jur. promoviert.

1899 heiratete er die Linzerin Cäcilia Meindl, Besitzerin des „Schöllergutes“ in Linz Waldegg, mit der er einen Sohn und zwei Töchter bekam.

Bürgermeister von Linz

Dinghofer wurde Richter in Linz, später auch in Urfahr und Wien. Von 1907 bis 1918 war er Bürgermeister von Linz, wobei er nicht nur der jüngste Bürgermeister einer Stadt mit eigenem Statut Cisleithaniens war, sondern auch das jüngste gewählte Stadtoberhaupt von Linz seit dem Bestehen einer freien Gemeinde. Als Bürgermeister war er Gründer der ersten Schrebergärten in Österreich, in seiner Amtszeit wurden St. Peter und Urfahr eingemeindet. Weiter wurden Grün- und Erholungsflächen ausgestaltet.

Dinghofer betrieb aktive Verkehrspolitik und trat für den Ausbau des Eisenbahnnetzes ein. Weiter wurde das Gaswerk kommunalisiert und es wurden städtische Milch- und Fleischverkaufsstellen eingerichtet, um der Teuerung entgegen zu steuern. Arbeiterwohnungen wurden gebaut, Wohnungsgesellschaften gegründet. Weiters wurde das Städtische Jugendamt für durch die Kriegsfolgen verwahrloste junge Menschen errichtet.

Gründung der deutschnationalen und antisemitischen Großdeutschen Volkspartei

Von 1911 bis zur Auflösung Österreich-Ungarns 1918 war Franz Dinghofer Reichsratsabgeordneter. Dinghofer war Begründer des Deutschen Volksbundes. 1919 gründete er die Großdeutsche Vereinigung, aus der 1920 die deutschnational und antisemitisch gesinnte Großdeutsche Volkspartei hervorging, deren Obmann er auch war.

Da Linz während des Ersten Weltkrieges zu den bestversorgten Städten der Monarchie gehörte – so wurde unter Dinghofer das Lebensmittelamt gegründet und wurden 1914 Brot- und Mehlkarten eingeführt – wurde man in Wien auf ihn aufmerksam und bot ihm 1917 den Posten des k.k. Ernährungsministers an.

Ausrufung der Republik

Alle deutschen Reichsratsabgeordneten, so auch Dinghofer, wurden Mitglieder der 1918 / 1919 tätigen Provisorischen Nationalversammlung für Deutschösterreich. Dinghofer wurde von ihr in der Eröffnungssitzung am 21. Oktober 1918 zu einem ihrer drei gleichberechtigten Präsidenten gewählt. Als solcher führte er am 12. November 1918, als die Nationalversammlung auf Antrag des Staatsrates die republikanische Staatsform und die Zugehörigkeit zur deutschen Republik beschloss, den Vorsitz und erklärte nach der Abstimmung über die Vorlage: einstimmig angenommen. Als amtierender Präsident verkündete er dann, von seinem Präsidentenkollegen Karl Seitz (Sozialdemokrat) begleitet, von der Balustrade des Parlamentsgebäudes aus der Tausende Menschen zählenden Volksmenge die Entscheidung: „Deutschösterreich ist eine Republik.“

Dritter Präsident des Nationalrates, Vizekanzler und Justizminister

1919 wurde Dinghofer oberösterreichischer Landtagsabgeordneter und Mitglied der provisorischen Landesversammlung. Er wurde am 16. Februar 1919 in die Konstituierende Nationalversammlung gewählt und war von 1920 bis 1926 Dritter Präsident des Nationalrates. Ab 1924 war er Vorsitzender Rat beim Oberlandesgericht Wien.

In der Regierung Ignaz Seipels war Dinghofer von 20. Oktober 1926 bis 19. Mai 1927 Vizekanzler, danach Bundesminister im Bundeskanzleramt und von 1927 bis 1928 Bundesminister für Justiz. Infolge der „Affäre Béla Kun“ trat Dinghofer 1928 als Justizminister ab und zog sich aus der Politik zurück.

Er kehrte zu seinem Beruf zurück und war von 1928 an zehn Jahre lang Präsident des Obersten Gerichtshofes, bis er am 11. Mai 1938 (nach dem Anschluss Österreichs) in den Ruhestand versetzt wurde.

Letzte Ruhestätte

Die Familie lebte bis 1945 in Wien, nach Kriegsende in Bad Ischl. Franz Dinghofer verstarb 1956, im 83. Lebensjahr, und wurde auf dem St.-Barbara-Friedhof in Linz beigesetzt.

Strassenbenennung und Dinghofer-Institut

In Linz und in Ottensheim gibt es eine Dinghoferstrasse.

Anlässlich des 92. Jahrestages der Ausrufung der Republik Österreich fand im Jahre 2010 im Parlament auf Initiative des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf (FPÖ) ein Symposium zu Ehren Franz Dinghofers statt. In diesem Rahmen wurde das Dinghofer-Institut, Studiengesellschaft für Politikforschung (DI) gegründet.

Links und Quellen

Wikipedia
Parlament

Fotos:

Portrait: CC0 / Unbekannt - Archiv der Stadt Linz; aus: Fritz Mayrhofer (Hrsg.), Walter Schuster (Hrsg.): Linz zwischen Revolution und Weltkrieg - 1848-1918. Verlag Archiv der Stadt Linz, 2005. S. 23 / Wikimedia Commons
Ausrufung der Republik: CC0 / Unbekannt / Wikimedia Commons
Regierung Seidel: CC0 / ÖNB / Österreichisches Parlament


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